Ratgeber

Niedrigster Preis der 30 Tage: So wird er berechnet (mit Beispielen)

Welche 30 Tage zählen, was mit früheren Aktionen, schrittweisen Rabatten und neuen Produkten ist: fünf Rechenbeispiele zum Tiefstpreis nach § 11 PAngV und § 9a PrAG.

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Die Regel klingt einfach: niedrigster Preis der letzten 30 Tage. In der Praxis stecken die Fehler im Detail, vor allem bei der Frage, welche 30 Tage gemeint sind. Die folgenden Beispiele zeigen die typischen Fälle. Alle Preise sind Endpreise inklusive Umsatzsteuer.

Die Grundregel

Bei jeder angekündigten Ermäßigung gilt als Bezugspreis der niedrigste Preis, den du in den 30 Tagen vor der Anwendung der Ermäßigung gegenüber Verbrauchern verlangt hast. So steht es in § 11 Abs. 1 PAngV; § 9a Abs. 1 PrAG formuliert es für Österreich gleich und stellt zusätzlich auf denselben Vertriebskanal ab.

Seit dem EuGH-Urteil C-330/23 ist dieser Tiefstpreis auch der Maßstab für die Ermäßigung selbst. Für die Prozentangabe heißt das:

Rabatt in Prozent = (1 − Aktionspreis ÷ Tiefstpreis) × 100

Runde im Zweifel ab. So wirkt der Rabatt nie größer, als er ist.

Beispiel 1: Eine einfache Aktion

Zeitraum Preis
1. bis 31. August 100,00 €
ab 1. September (Aktion) 80,00 €

Das Zeitfenster sind die 30 Tage vor dem 1. September. In dieser Zeit lag der Preis immer bei 100 €. Tiefstpreis: 100,00 €, Rabatt: −20 %.

Beispiel 2: Eine frühere Aktion im Zeitfenster

Zeitraum Preis
bis 9. August 100,00 €
10. bis 15. August (Wochenend-Aktion) 85,00 €
16. bis 31. August 100,00 €
ab 1. September (Aktion) 80,00 €

Die kurze Aktion im August liegt innerhalb der 30 Tage vor dem 1. September. Tiefstpreis: 85,00 €. Der Rabatt beträgt damit nur rund −5 %, nicht −20 %. Wer häufig kurze Aktionen fährt, sollte diesen Effekt kennen.

Beispiel 3: Preiserhöhung kurz vor der Aktion

Zeitraum Preis
bis 2. Oktober 249,00 €
3. bis 12. Oktober 279,00 €
ab 13. Oktober (Aktion) 229,00 €

Das Zeitfenster reicht vom 13. September bis zum 12. Oktober. Darin lag der niedrigste Preis bei 249 €. Tiefstpreis: 249,00 €, Rabatt: −8 %. Die −18 %, die sich gegenüber 279 € ergeben würden, sind genau die Art Rabatt, die der EuGH im Aldi-Urteil beanstandet hat.

Beispiel 4: Schrittweise Rabatte

Zeitraum Preis Bezugspreis
bis 31. Oktober 100,00 € –
1. bis 14. November 90,00 € (−10 %) 100,00 €
15. bis 24. November 80,00 € (−20 %) 100,00 €
ab 25. November 70,00 € (−30 %) 100,00 €

Wird eine Ermäßigung ohne Unterbrechung vertieft, bleibt der Preis vor der ersten Stufe der Bezugspreis (§ 11 Abs. 2 PAngV, § 9a Abs. 1 Satz 2 PrAG). Ohne diese Regel wäre bei der zweiten Stufe 90 € der Tiefstpreis, und die dritte Stufe könnte kaum noch als Rabatt beworben werden.

Steigt der Aktionspreis zwischendurch wieder, etwa von 80 € auf 90 €, ist die Ermäßigung unterbrochen. Eine spätere Senkung ist dann eine neue Ermäßigung mit eigenem 30-Tage-Fenster.

Beispiel 5: Ein neues Produkt

Zeitraum Preis
ab 20. Oktober (neu im Sortiment) 60,00 €
ab 1. November (Aktion) 50,00 €

Das Produkt ist erst seit zwölf Tagen im Shop. Österreich regelt den Fall ausdrücklich: Maßgeblich ist der niedrigste Preis seit der Markteinführung (§ 9a Abs. 2 PrAG), hier 60 €. Die PAngV enthält dafür keine eigene Regel. Auch dort ergibt sich aus dem kürzeren Zeitraum ein Tiefstpreis von 60 €, also −16 %.

Häufige Fehler

  • Die letzten 30 Tage bis heute statt vor Aktionsbeginn. Läuft die Aktion schon zwei Wochen, enthält dieses Fenster den Aktionspreis selbst. Der Tiefstpreis wäre dann der Aktionspreis, und der Hinweis wäre wertlos.
  • Den regulären Preis als Bezug nehmen. Der reguläre Preis ist oft nicht der Tiefstpreis, siehe Beispiele 2 und 3.
  • Netto statt brutto. Verbraucher sehen Endpreise; auch der Tiefstpreis ist ein Endpreis.
  • Varianten zusammenwerfen. Jede Größe oder Farbe mit eigenem Preis braucht ihren eigenen Verlauf.
  • Geplante Sales falsch datieren. Es zählt das Datum, ab dem der Preis gilt, nicht der Zeitpunkt, zu dem ein Hintergrundprozess ihn umgestellt hat.
  • Vertriebskanäle vermischen. In Österreich zählt der Preis im selben Kanal, also im Online-Shop getrennt vom Geschäft.

Automatisch statt von Hand

Für ein Produkt ist das schnell gerechnet. Für einen Shop mit Hunderten Produkten, Varianten und mehreren Aktionen im Monat nicht. Strikewise speichert jede Preisänderung in WooCommerce und berechnet den Tiefstpreis genau nach diesen Regeln: Zeitfenster vor Aktionsbeginn, schrittweise Rabatte, Varianten, Endpreise und das echte Startdatum geplanter Sales. Den Verlauf jedes Produkts siehst du als Diagramm direkt im Editor.

Quellen

  1. § 11 PAngV – Preisangabenverordnung (gesetze-im-internet.de)
  2. § 9a Preisauszeichnungsgesetz (RIS)
  3. EuGH, Pressemitteilung Nr. 152/24 zum Urteil C-330/23 (Aldi Süd)